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Reportage

2.3.2026, Yvonne Russi

Was hinter der Brocki steckt

Wie die Blaukreuz-Brocki in Bülach soziale Arbeit und Nachhaltigkeit verbindet

v.l.n.r: Steven Moosmann (Betriebsleiter), Fabienne Unger (Verantwortliche PR & Social Media Brockis), Helen Anyanwu (Fachmitarbeiterin), Ursula Schwarz (Freiwillige Mitarbeiterin).

v.l.n.r: Steven Moosmann (Betriebsleiter), Fabienne Unger (Verantwortliche PR & Social Media Brockis), Helen Anyanwu (Fachmitarbeiterin), Ursula Schwarz (Freiwillige Mitarbeiterin).

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Mehrere hundert Kundinnen und Kunden pro Tag, ein Jahresumsatz im sechsstelligen Bereich und Geschichten, die überraschen: Ein Brockenhaus ist längst mehr als ein Ort für gebrauchte Waren. Ein Besuch in der Blaukreuz-Brocki Bülach zeigt, wie eng Secondhand, soziale Verantwortung und echte Schatzfunde miteinander verbunden sind.

Ein prüfender Blick, ein paar Töne auf den Tasten und dann der Entscheid. Diese Handorgel bekommt ein zweites Leben.

Ein prüfender Blick, ein paar Töne auf den Tasten und dann der Entscheid. Diese Handorgel bekommt ein zweites Leben.

Ein Mann aus Oerlikon steht vor einer Handorgel. 250 Franken kostet das Instrument. Er fotografiert es, schickt das Bild einem Kollegen und prüft sorgfältig die Tasten sowie den Klang. Einige Minuten später fällt die Entscheidung: Er kauft die Handorgel. Ein- bis zweimal pro Woche besucht er verschiedene Brockenhäuser, auch die Blaukreuz-Brocki in Bülach. Er sucht gezielt nach besonderen Stücken.

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Vintage trifft Stilgefühl. Zwischen Lederjacke, Handtasche und High Heels wartet das nächste Lieblingsstück.

Vintage trifft Stilgefühl. Zwischen Lederjacke, Handtasche und High Heels wartet das nächste Lieblingsstück.

Nur wenige Schritte weiter diskutiert eine Grossmutter mit ihrem Enkel über ein grosses Bau-Set. «Das muss unbedingt mit», scheint der Junge entschlossen. Kartons werden geprüft und Einzelteile begutachtet. Kurz nach Ladenöffnung herrscht bereits reger Betrieb.

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Zwischen Kronleuchter und Kinderstuhl lacht der Clown. Genau diese Mischung macht den Reiz der Brocki aus.

Zwischen Kronleuchter und Kinderstuhl lacht der Clown. Genau diese Mischung macht den Reiz der Brocki aus.

Was vorne wie entspanntes Stöbern wirkt, ist im Hintergrund ein professionell geführter Betrieb. Betriebsleiter Steven Moosmann formuliert es im Gespräch nüchtern: «Es ist ein Businessmodell, das jeden Tag funktionieren muss.»

Die Brocki besteht seit rund zwanzig Jahren. Begonnen hatte es als Projekt des Frauenvereins. Mit der Zeit entwickelte sich daraus eine Kooperation mit dem Blauen Kreuz Zürich, das heute den Betrieb verantwortet. Steven präzisiert, was das konkret bedeutet: «Sämtliche Risiken, sämtliche operativen Abläufe, Verträge und die Miete laufen über das Blaue Kreuz.»

«Es ist kein romantisches Brocki-Leben»

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Der Frauenverein ist weiterhin eingebunden. Er stellt Freiwillige und bringt seine lokale Verankerung ein. Auch finanziell bleibt die Verbindung bestehen: «Vom Reingewinn geht ein Teil an den Frauenverein», sagt Steven. «Der grössere Teil geht an das Blaue Kreuz Zürich.»

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Reger Betrieb unter Holzbalken. Mehrere hundert Kundinnen und Kunden stöbern hier täglich nach Besonderem.

Reger Betrieb unter Holzbalken. Mehrere hundert Kundinnen und Kunden stöbern hier täglich nach Besonderem.

Die Einnahmen aus der Brocki fliessen in die Angebote des Blauen Kreuzes, darunter Beratung für Menschen mit Alkoholproblemen oder Angehörige,, Testkäufe zur Überprüfung der Altersvorgaben sowie das Jugendpräventionsprojekt «roundabout».

«Alkohol ist die Volksdroge Nummer eins», sagt Steven. «Uns geht es nicht darum, Alkohol zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang damit.»

Jeder Einkauf finanziert Prävention

Vom Business Look bis zum Retro Muster. Auch Männer werden in der Brocki fündig.

Vom Business Look bis zum Retro Muster. Auch Männer werden in der Brocki fündig.

Sechs Angestellte mit insgesamt rund 600 Stellenprozenten sowie 63 Freiwillige halten den Betrieb am Laufen. Sie prüfen Waren, reinigen Geschirr, sortieren Textilien, dekorieren Verkaufsflächen und organisieren Räumungen.

«Die grösste Herausforderung ist das Zusammenspiel zwischen Angestellten und Freiwilligen», erklärt Steven offen. «Aber wir sind inzwischen wie eine grosse Familie.»

Täglich werden am Wareneingang Waren geprüft. Nicht alles wird angenommen. «Wenn wir Abfall entgegennehmen, entstehen uns Kosten», sagt er. Entsprechend wird sorgfältig entschieden.

63 Freiwillige und 600 Stellenprozente

Fernweh im Kleinformat. Dieses Schiff segelt ganz ohne Wasser in ein neues Zuhause.

Fernweh im Kleinformat. Dieses Schiff segelt ganz ohne Wasser in ein neues Zuhause.

Dass sich in der Brocki auch Überraschungen finden lassen, zeigt ein besonderes Beispiel. Ein Klavier war zunächst für 400 Franken angeschrieben. Eine ältere Stammkundin, die regelmässig darauf spielte, machte das Team darauf aufmerksam, dass der Wert nochmals geprüft werden sollte. «Sie sagte: Klären Sie das noch einmal ab», erinnert sich Steven. Eine Fachperson wurde beigezogen. Das Resultat war überraschend: Das Instrument war deutlich mehr wert. Schlussendlich wurde es für über 10'000 Franken verkauft, und zwar eben an diese Kundin. «Sie war ehrlich», sagt Steven. «Das bleibt in Erinnerung.»

Wenn sich ein Klavier als Schatz entpuppt

Kristall, Karaffe und Kuchenplatte. Nachhaltigkeit kann ziemlich glänzen.

Kristall, Karaffe und Kuchenplatte. Nachhaltigkeit kann ziemlich glänzen.

Neben dem sozialen Auftrag spielt auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle. Jedes Möbelstück, jedes Geschirrset und jedes Kleidungsstück, das hier weiterverkauft wird, erhält ein zweites Leben.

«Viele machen sich heute mehr Gedanken über ihren Konsum», beobachtet Steven im Gespräch. Gerade seit der Pandemie habe ein Umdenken eingesetzt. Secondhand sei längst nicht mehr nur eine Preisfrage, sondern auch eine Haltung.

Ein zweites Leben für Möbel und Geschirr

600 Jahre Stadt Bülach im Glas. Geschichte zum Mitnehmen.

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Wer ein gebrauchtes Möbel kauft, verhindert, dass es entsorgt wird, und spart gleichzeitig Ressourcen, die für Produktion, Transport und Lagerung eines neuen Produkts nötig wären. Herstellung, Verpackung und Lieferung verursachen Energieverbrauch und Emissionen. Im Brockenhaus entfällt diese Produktions- und Lieferkette. Statt neu produziert zu werden, wechselt ein bestehender Gegenstand einfach den Besitzer.

Zwischen Handorgel, Bau-Set und Klavier zeigt sich damit ein weiterer Wert des Brockenhauses. Es verlängert Lebenszyklen von Gegenständen und verbindet Nachhaltigkeit mit sozialem Engagement.

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Im Gespräch wird deutlich: Hinter der ruhigen Verkaufsfläche steckt ein strukturierter Betrieb. Neben dem täglichen Verkauf werden auch zwei bis drei Wohnungsräumungen pro Monat durchgeführt. Verwertbares wird übernommen, anderes fachgerecht entsorgt.

Trotz aller Professionalität bleibt der Reiz des Unerwarteten. Ob Handorgel, Bau-Set oder Klavier, das Brockenhaus verbindet Alltägliches mit Besonderem. Und genau darin liegt seine Stärke: Hier wechseln nicht nur Gegenstände den Besitzer. Mit jedem Kauf werden soziale Projekte ermöglicht. Und Dinge, die anderswo entsorgt würden, erhalten eine zweite Chance.

Mehr als ein Verkaufsraum

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v.l.n.r: Steven Moosmann (Betriebsleiter), Fabienne Unger (Verantwortliche PR & Social Media Brockis), Helen Anyanwu (Fachmitarbeiterin), Ursula Schwarz (Freiwillige Mitarbeiterin).

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Vintage trifft Stilgefühl. Zwischen Lederjacke, Handtasche und High Heels wartet das nächste Lieblingsstück.

Zwischen Kronleuchter und Kinderstuhl lacht der Clown. Genau diese Mischung macht den Reiz der Brocki aus.

Reger Betrieb unter Holzbalken. Mehrere hundert Kundinnen und Kunden stöbern hier täglich nach Besonderem.

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