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Kolumne

25.7.2026, Sarina Russi

Mit dem Lift zur ersten Kugel

Kolumne aus dem Glasi-Quartier

Sandra Stolarčíková und ihr Mann Michal führen das «mellato» gemeinsam.

Sandra Stolarčíková und ihr Mann Michal führen das «mellato» gemeinsam.

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Für eine gute Gelateria fahren manche quer durch die Stadt. Ich musste lediglich den Lift nehmen. Seit im Erdgeschoss des Hochhauses, in dem ich wohne, das «mellato» eröffnet hat, ist der kürzeste Weg zu einer Kugel Glace plötzlich auch der gefährlichste.

«matcha · caffè · protein · gelato»: Der Schriftzug hinter der Theke fasst das Konzept in vier Worten zusammen.

«matcha · caffè · protein · gelato»: Der Schriftzug hinter der Theke fasst das Konzept in vier Worten zusammen.

Es gibt Eröffnungen, die Monate im Voraus angekündigt werden. Mit Countdown, Luftballons und einer Einladung zur Eröffnung. Und dann gibt es jene, die einfach passieren.

Gestern um 15 Uhr taucht auf Instagram ein Beitrag auf. Zwei Stunden später ist die Tür offen. «Wir sind heute zufällig fertig geworden», sagt Sandra Stolarčíková später lachend. Spontaner geht es kaum.

Für mich bedeutet das vor allem eines: Schuhe anziehen, den Lift nehmen und nachsehen, was da unten eigentlich los ist.

Vor dem Eingang sitzen bereits die ersten Gäste. Drinnen dominieren weiche Formen, goldene Lampen und eine grasgrüne Theke. Dahinter wartet die Glacevitrine. Darüber steht in grossen Buchstaben «matcha · caffè · protein · gelato». Mehr Erklärung braucht es eigentlich nicht.

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Eiskaffee, «Pink Cloud»-Matcha und zwei Kugeln im Becher: der Einstieg ins Sortiment.

Eiskaffee, «Pink Cloud»-Matcha und zwei Kugeln im Becher: der Einstieg ins Sortiment.

Schwieriger wird es erst vor der Vitrine. Pistacchio aus Sizilien. Fior di latte mit Lavendel. Oder doch Zitrone und Basilikum? Ich merke schnell, dass zwei Kugeln für eine seriöse Recherche eigentlich zu wenig sind. Vernünftig bleibe ich trotzdem und bestelle einen Becher, dazu einen «Pink Cloud»-Matcha und einen Eiskaffee. Wenige Minuten später sitze ich auf der Terrasse und frage mich, weshalb ich eigentlich geglaubt habe, nur kurz vorbeizuschauen.

Als der erste Ansturm etwas nachlässt, setzt sich Sandra Stolarčíková zu mir. Gemeinsam mit ihrem Mann Michal hat sie das «mellato» eröffnet. Die beiden wohnen selbst nur wenige Schritte entfernt. Dass sie heute Gelato, Matcha, Kaffee und Proteinshakes verkaufen, war ursprünglich gar nicht der Plan.

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«Eigentlich wollten wir nur Gelato machen, mit einem kleinen Foodtruck hier im Glasi», erzählt Sandra. Dass daraus einmal ein Ladenlokal werden würde, hätten die beiden damals wohl selbst nicht gedacht. Dabei lag der passende Ort fast vor ihrer Haustür. Sandra und Michal wohnen nur wenige Schritte entfernt. Als sich die Gelegenheit bot, das Lokal zu übernehmen, mussten sie nicht lange überlegen. Nur Glace reicht im Winter nicht. Also musste ein Konzept her, das das ganze Jahr funktioniert. So fanden Matcha, Kaffee und Proteinshakes ihren Platz neben dem Gelato.

Vom Foodtruck zur Gelateria

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Matcha hat in den vergangenen Jahren viele neue Fans gewonnen. Sandra trinkt ihn selbst gerne. Für sie war deshalb schnell klar, dass er auf die Karte gehört. Die Proteinshakes haben dagegen einen ganz persönlichen Ursprung. «Mein Mann boxt und hat nie einen Proteinshake zum Mitnehmen gefunden, der ihn wirklich überzeugt hat.» Also entwickelten die beiden kurzerhand ihre eigenen Rezepte. Kaffee ergänzt das Angebot und macht das Lokal auch ausserhalb der Glacesaison attraktiv.

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Während Sandra erzählt, öffnet sich die Tür beinahe im Minutentakt. Eine Familie studiert die Glacesorten, zwei Jugendliche bestellen Matcha und ein älterer Herr kommt nur schnell auf einen Kaffee vorbei. Ich muss schmunzeln. Vor einer halben Stunde war das hier noch einfach das Erdgeschoss des Jade-Hochhauses. Jetzt fühlt es sich plötzlich wie ein kleiner Dorfplatz an. Oder vielleicht eher wie eine Piazza. Die Adresse hat das offenbar schon länger gewusst.

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Die grösste Herausforderung wartet nicht am Tresen, sondern bei der Wahl der Sorte.

Die grösste Herausforderung wartet nicht am Tresen, sondern bei der Wahl der Sorte.

Die Schlüssel zum Lokal erhielten die beiden am 1. April. Gut drei Monate später stehen die ersten Gäste vor der Theke. «Es ist ganz viel passiert», sagt Sandra. «Wir mussten alles bestellen, üben und Lieferanten suchen.»

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Beim Gelato mussten Sandra und Michal das Rad nicht neu erfinden. Michals Familie produziert in der Slowakei seit vielen Jahren Glace. Die Rezepte haben die beiden mitgebracht. Produziert wird direkt im Lokal, nur wenige Schritte hinter der Theke. Rund sechzehn Sorten stehen jeweils in der Vitrine. Welche angeboten werden, hängt auch davon ab, was besonders gefragt ist.

Rezepte mit Familiengeschichte

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Ich werfe noch einmal einen Blick in die Vitrine. Für eine seriöse Recherche wären drei Kugeln vermutlich die bessere Wahl gewesen. Also nehme ich mir für den Heimweg vorsichtshalber noch einen Becher mit einer Kugel mit.

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Als ich mich verabschiede, sind draussen fast alle Plätze besetzt. Vor der Theke wartet bereits die nächste kleine Schlange. Vor ein paar Stunden wusste kaum jemand, dass hier überhaupt eröffnet wird. Jetzt sitzen Familien, Nachbarn und Spaziergänger mit einem Becher Glace in der Hand auf der Terrasse.

Mit meiner Kugel Glace steige ich wieder in den Lift. Kaum schliessen sich die Türen, landet der erste Tropfen Glace auf dem Boden. Für einen kurzen Moment spiele ich mit dem Gedanken, ihn einfach liegen zu lassen. Der kleine Hund aus dem Haus, der den Lift gelegentlich ebenfalls nicht ganz trocken verlässt, hätte daran vermutlich seine Freude. Dann siegt doch die Vernunft. Mit einer Serviette ist der Fleck schnell wieder verschwunden.

Als sich die Lifttüren auf meiner Etage wieder öffnen, steht für mich eines fest: Gefährlich kurze Wege gibt es tatsächlich.

Ein Quartier wächst weiter

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Kommentare

Ich habe mir schon Verschiedenes bei Mellato geholt: Glace, Matcha, Eiskaffee... kann es sehr empfehlen.

Kann ich nur empfehlen

15.9.2026, Judith Klee

Mit dem Lift zur ersten Kugel

Toller Bericht und Fotos, die einem so gluschtig machen, dass schon der Gedanke daran, das Gelati im Mund zergehen zu lassen, genügt. Morgen gehe ich gleich hin. Freue mich darauf.

Da gehe ich gleich hin

27.7.2026, Barbara Bohnert

Mit dem Lift zur ersten Kugel

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Sandra Stolarčíková und ihr Mann Michal führen das «mellato» gemeinsam.

«matcha · caffè · protein · gelato»: Der Schriftzug hinter der Theke fasst das Konzept in vier Worten zusammen.

Eiskaffee, «Pink Cloud»-Matcha und zwei Kugeln im Becher: der Einstieg ins Sortiment.

Die grösste Herausforderung wartet nicht am Tresen, sondern bei der Wahl der Sorte.

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